Filmgespräch: 12, am 22. Mai

Zwölf Männer müssen Recht sprechen. Im vorliegenden Fall ist das kinderleicht. Ein Junge, fast noch ein Kind, ein Tschetschene hat seinen Vater ermordet. Die Indizien sind erdrückend. Der Junge ist in einer Kultur der Gewalt aufgewachsen. Er kennt nichts anderes. Einer der zwölf zweifelt an dieser Sicht der Dinge. Einer gegen elf. Bald steht es zwei gegen zehn. Am Ende sind alle von der Unschuld des Jungen überzeugt. Der Film erinnert an „Die zwölf Geschworenen“ von Sydney Lumet. USA, 50er Jahre, Abrechnung mit dem McCarthyismus. Und doch ist hier alles anders. Bis auf den Plot und die Hommage an die Unschuldsvermutung, meint man. Die Männer überzeugen einander auf ihre Art. Sachargumente werden in persönliche Geschichten verpackt. Jede einzelne gewährt Einblicke in die Borderland-Mentalität der Russen im Kaukasus. Interkulturelles Kino „gegen den Strich“. Alles ist anders, dabei erscheint alles ganz normal. Doch selbst der Plot schlägt noch einen letzten Haken.

In Kooperation mit: AK Dialog Synagogenplatz