Lateinamerika - Der Wandel der Narrative seit der "Entdeckung" Amerikas bis heute, am 25. Januar

Seit der "Entdeckung" Amerikas durch Christoph Kolumbus im Jahr 1492 bis heute haben sich die Sichtweisen auf Lateinamerika häufig und grundlegend gewandelt. Kolumbus selbst war in seinem Urteil sehr ambivalent: er sprach sowohl von den zahmen und willfährigen Ureinwohnern als auch von gewalttätigen und wilden Indianern. Bei Hegel war die Rede von den "Völkern ohne Geschichte", in der Aufklärung wurden die Ureinwohner aber auch als freie und edle Wilde bezeichnet.

Spätestens zu Beginn der Unabhängigkeit Lateinamerikas, in den 1820er Jahren, änderte sich das Bild Lateinamerikas abermals grundlegend: Jetzt war die Rede von Lateinamerika als dem reichen El Dorado, das die Spanier und die Ureinwohner aber nicht auszubeuten verstanden, sondern das den Europäern jetzt zu ihrer Ausbeutung offenstand.

Im 19. Jahrhundert galt der Subkontinent als Heimat von Putschen und Rebellionen, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde er als eine Neokolonie der USA betrachtet, nach dem Zweiten Weltkrieg sah vor allem die europäische Linke einen Sehnsuchtsort der utopischen, in Europa nicht zu realisierenden Revolution (Che Guevara!), und in den letzten Jahrzehnten häuften sich immer mehr die Stereotype, wenn von Lateinamerika die Rede war: Kontinent der Diktatoren, der Korruption, der Unsicherheit und der kriminellen Drogenbanden.

Der Vortrag präsentiert und analysiert diese Narrative über einen Kontinent, mit dem die Europäer sich wie mit keinem anderen jahrhundertelang beschäftigt haben.

Prof. Dr. Bernecker forscht und publiziert seit vielen Jahren über Lateinamerika und Spanien. Über anderthalb Jahrzehnte lang war er Vorsitzender des Deutschen Spanischlehrerverbandes.